Das Bedürfnis nach Schriftkultur

Schriftzeichen der Stummerer (Quelle: iStock_000070484179)
Tora (Quelle: iStock_000000922568)

Kommunikation ist Austausch zur Selbstvergewisserung und zur Sicherung einer Kultur. Dahinter stecken das Bedürfnis nach Weiterentwicklung und das Bestreben, nicht jede Erfahrung ständig wiederholen zu müssen. Die mündliche Kommunikation sichert als erste diese Bedürfnisse. Das gesprochene Wort ist allerdings kurzlebig. Wird das Gehörte von Dritten mündlich weitergegeben, büßt es an Authentizität ein, wird zufällig und unverbürgt.

Rosetta Stone (Quelle: iStock_000035746908)

Will eine Kultur Informationen und Muster wiederholbar machen und ihre Reproduktionsfähigkeit sichern, bedarf es eines Speichermediums, das über die Oralität hinausreicht und nicht an die begrenzte Speicherkapazität eines individuellen Gedächtnisses gebunden ist.

Mit der Einführung der Schrift haben die Menschen ein solches Medium gefunden. Es beginnt eine Entwicklung von weitreichender Bedeutung für das gesamte kulturelle System, in das auch unsere Sprache und unser Bewusstsein eingebettet sind.

In einer großen intellektuellen Leistung entwickelten die Griechen, basierend auf dem aus 22 Buchstaben bestehenden phönizisch-hebräischen Alphabet, etwa 800 v. Chr. das erste komplette Alphabet, welches nun neben Konsonanten auch Vokale einschloss. Durch die graphische Darstellung der Lautstruktur wurde erstmalig auch die Visualisierung fremder Sprachsysteme möglich.

Schreiben mit Papier und Stift (Quelle: iStock_000005059617)

Schriftkultur ermöglicht, dass Informationen eingespeist, entschlüsselt, gesammelt und wieder abgerufen werden können. Als wichtig erkannte Erfahrungen und Strukturen können Menschen durch die Verschriftlichung zur erkennbaren Wiederherstellung sichern. Zudem können durch Schriftcodes Erinnerungen, Ideen, Konzepte und Fertigkeiten an nächste Generationen weitergegeben werden.

 

„Jedes Kind, wenn es die ersten Buchstaben auf seine Schultafel malt und die ersten Leseversuche macht, tut damit den ersten Schritt in eine künstliche und höchst komplizierte Welt, deren Gesetze und Spielregeln ganz zu kennen und vollkommen zu üben kein Menschenleben ausreicht. Ohne Worte, ohne Schrift und Bücher gibt es keine Geschichte, gibt es nicht den Begriff der Menschheit.“
Hermann Hesse

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