Wer hat denn das geschrieben? Und vor allem: Warum hat das jemand geschrieben?

Erst wollte die Schreiberin das ja keinem erzählen: Wie sie verlassen wurde oder selbst verlies, wie sie sich flügellahm verkroch vor Liebeskummer und sich dann doch wieder wie der Phönix aus der Asche schwebend vor Glück erhob. Deshalb hat sie es einfach immer aufgeschrieben und zwar in Gedichtform – mal reimt es sich, mal ist es auf bayrisch, manchmal sind es einfach nur Gedankenfetzen.

So hat sich die Autorin Maria Magdalena Rabl mit der Zeit „durch ihre Lieben geschrieben“. Aus einer Art „inneren Not“, weil sie mit den Betroffenen selbst oft nicht (mehr) reden konnte oder wollte.  Bis sie dann von einem Verlag entdeckt wurde für die Anthologie „Herzwortschläge“. Nun erzählt sie die Achterbahnen des Liebeslebens jedem, der es lesen mag – ganz entgegen Rabls ursprünglicher Intention, die sich im Titel ihres ersten Gedichtbands verewigt hat: „Das erzähl ich jetzt keinem“.

 

Ist ihr das nicht zu persönlich? Nein, war ihre Antwort. Als hauptberufliche
Schauspielerin falle sie in die Kategorie Mensch „emotional exhibitionistisch veranlagt“ und deshalb sei es nicht so schwer für sie, sich anderen von ihrem Innersten zu zeigen. Was sie allerdings hier niedergeschrieben hat, kann sie auch getrost erzählen, denn das hat sie durchs Schreiben bereits verarbeitet. So kommen in ihrem Gedichtband verschiedene Seiten – nicht immer die schönsten, aber dafür um so authentischer und interessanter – ihrer Persönlichkeit vor, nicht erschöpfend freilich, auch ein bisschen fiktiv, aber dennoch sehr intensiv und berührend.

Spannend ist, dass wir im Fall Maria Magdalena Rabl ganz verschiedene Ausdrucksformen ihrer selbst beobachten können: Einmal der Selbstausdruck in ihrer Handschrift, dann im Inhalt ihrer Gedichte, des Weiteren in ihrem Schauspiel und zuletzt in ihrer Stimme. Neben ihrer Schauspielertätigkeit ist Rabl auch Sprecherin. Vor drei Jahren wurde ihre wandlungsfähige Stimme entdeckt. Seitdem spricht sie regelmäßig Werbung, Voice Over, Dokumentarfilme (z. B. für den Bayerischen Rundfunk), Synchron oder auch Hörbücher für die Bayerische Blindenhörbücherei.

Wen die unterschiedlichen Ausdrucksformen des vielseitigen „Rabl-Wesens“ interessieren, der kann sich hier weiter informierenPersönlich kann man Maria Magdalena Rabl bei einer Lesung in Dießen am Ammersee erleben. Für alle, die nicht an den Ammersee kommen können, hat Rabl zwei ihrer Gedichte eingelesen:

Winterwoarad 

Eigentor

Weitere Stimmproben von Maria Magdalena Rabl gibt es hier.

Zeigt sich die Vielseitigkeit von Rabls Persönlichkeit auch in ihrer Handschrift? (Originalmanuskript des Gedichts „Hinterhof im Frühling“)
„Satzbau“ aus dem Gedichtband „Das erzähl ich jetzt keinem“

 

Durch wie viele Lieben habe ich mich schon geschrieben?

Ein Gedanke zu „Durch wie viele Lieben habe ich mich schon geschrieben?

  • 23. Mai 2017 um 23:11
    Permalink

    Danke für diese Empfehlung, sie passt gerade so gut.
    Ja was ist die Essenz… darüber lässt sich sinnieren.

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